März 10th, 2008

Der Alltag einmal anders erlebt

Wenn man über Kunst sprach, wirkte das häufig so, als ob sie gänzlich vom Alltag abge-schieden sei. Sie führte eine scheinbare abgeschiedene Existenz. Was ihr Wesen ausmachte, konnten nur diejenigen verstehen, die selber Künstler waren oder sich das dazu benötigte Geheimwissen angeeignet hatten. Das entsprach nicht unserem Verständnis. Für uns kehrte mit der Kunst die Magie in den Alltag zurück. Und mit dieser Rückkehr war eine große Chance verbunden: plötzlich wurde einem klar, dass gerade der Alltag zum Experiment ein-lädt. Warum also nicht diese Chance ergreifen und mit Floating Island die passende Plattform dazu schaffen? Die Idee zu Floating Island stammt von Diego Lis Materon. Irgendwann im Jahre 2004 fing er damit an, eine Plattform zu bilden, in dem sich kreativ veranlagte Men-schen im öffentlichen Raum erproben konnten. Der Schwerpunkt bewegte sich auf Tanz, Performance, Multimedia und Musik. Mit Marcus Klug zusammen wurde dieser Fokus vor allem im letzten Jahr um Design erweitert. Floating Island bietet kreativ veranlagten Men-schen eine experimentelle Plattform, deren Inhalt und Ausrichtung von den Teilnehmern gestaltet werden. Konventionelle Formatgrenzen werden dabei genauso übergangen wie vor-gegebene Rahmenbedingungen. Stattdessen können hier Dinge ausprobiert werden, die so im Alltag häufig nicht möglich erscheinen: ob Tanz, Theater, Performance, Musik oder Multi-media, der interdisziplinäre Inszenierungsraum steht und fällt mit seinen Aktivisten. Der schaffende, unperfekte Mensch ist der Impulsgeber.

 

Die Initiatoren

Diego Lis
geb. 1974 in Bogota, beschäftigte sich schon in seiner Jugend mit Malerei. Zusammen mit seinem damaligen Schulkameraden Georgios Kotrotsios eröffnete er im Jahre 1996 sein erstes Atelier in Schwelm. Neben der Auseinandersetzung mit Formen und Farben interessiert er sich vor allem für den menschlichen Körper. Aktmalerei und Anatomiestudien folgen; ein Medizinstudium (1998 - 2002 an der Gutenberg Universität in Mainz) scheint daraufhin eine mögliche logische Konsequenz zu sein, wäre da nicht noch der alltägliche Wahnsinn und die ausgeprägte Vorliebe für selbstzerstörerische Experimente. Parallel zur Malerei bildet sich ein starkes Interesse für Performancekunst aus: zunächst im Club- und Discoambiente  (u.a.Butan / Wuppertal, 45 RPM/Wuppertal) experimentiert Diego mit verschiedenenen Kunstformen, u.a. Tanz und Akrobatik, um sie inszenatorisch zu vereinen. Ständig in Bewegung und zwi-schen mehreren Sprachen und Kulturen aufgewachsen, reist er u.a. für längere Zeit nach Spanien, Italien und in die Bretagne, um dort weitere künstlerische Studien zu betreiben. In Düsseldorf angekommen (2002) wird er Privatschüler von Prof. Blecks (Leiter des Studios BM in Düsseldorf; ehemaliger Professor an der Kunstakademie). Nach dieser Zeit beginnt er 2004 die Idee zu Floating Island ins Leben zu rufen. Den bisherigen Höhepunkt erreicht die-ses Format 2006 mit zwei Veranstaltungen: dem Surrealis-Festival im Düsseldorfer Stahlwerk (28. - 29.10.2006) und dem Traumreise-Projekt (Rex-Theater Wuppertal, 10.09.2006).

Marcus Klug
geb. 1977 in Wuppertal, begeisterte sich in seiner Jugend für Heavy Metal, Punk und Hard-core, bevor er seine Liebe zu elektronischen Klängen entdeckte. Nach einer unerwarteten Kollision mit BWL und Volkswirtschaft zu Abi-Zeiten flüchtete er im Studium in geistes-wissenschaftliche Gefilde, um schon zu dieser Zeit seine Vorliebe für elektronische Musik, Kunst und Design im Radio als Moderator und DJ auszuleben. Parallel dazu betätigte er sich als freischaffender Musikjournalist für diverse Fanzines und Magazine, u.a. Jazzthing, De:Bug und Ouk. Stolperte irgendwann während einer mitinitiierten Veranstaltung im Wuppertaler U-Club „Hungrich - Plattform für junge Designer“ (2004) auf den heutigen Dekan der FH Düsseldorf, FB Design - Prof. Dr. Stefan Asmus - für den er seit 2006 als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig ist. Daneben promoviert er gerade im FB Medienge-staltung an der Kunsthochschule für Medien in Köln und arbeitet zusammen mit anderen Dozenten und Studenten an einer crossmedialen Kommunikationsplattform - http://www.hactivist.de -, die 2006 für den Digital Sparks Award nominiert wurde.